29.06.2011

Bundestagsausschuss für Bildung diskutiert erneut die Situation von PraktikantInnen mit Hochschulabschluss

fairwork e.V. war heute neben Vertreter von DGB, HIS Hochschulinformationssystem, dem IAB Institut für Arbeitsmarktfoschung und dem BDA als Sachverständige in den Ausschuss für Bildung und Forschung des Deutschen Bundestags eingeladen. Der Ausschuss wollte sich erneut ein Bild zur Berufseinstiegssituation von AbsolventInnen in Deutschland machen. Bettina König, Vorsitzende von fairwork e.V. dazu: "Ich bin froh, dass das Thema erneut politisch aufgegriffen wird.Es gibt weiterhin viel zu viele Absolventen, die keine normale Anstellung erhalten, sondern als schlecht bezahlte Praktikanten für durchschnittliche 500€ im Monat Vollzeitstellen ausfüllen. Wir thematisieren das seit 2004 und ich finde, die Zeit des Redens sollte vorbei sein. Wir brauchen endlich klare gesetzliche Regelungen, die die Ausbeutung von Praktikanten verhindern."

Auch der DGB verwies darauf, dass sich der Missbrauch von Praktika als ein Element des Berufseinstiegs fest etabliert hat und eine Regulierung dringend erforderlich ist. Einvernehmlich wurde von vier der fünf Sachverständigen betont, dass wenig gegen eine klare Regulierung von Praktika zugunsten der Praktikanten spricht, um vorhandenen Missbrauch einzudämmen. So sollte es zum Beispiel absolut unproblematisch sein, §11 BBiG (Pflicht zum schriftlichen Vertrag für Ausbildungen) auch auf Praktika anzuwenden. Zudem herrschte Einigkeit darüber, dass Absolventen in Berufseinstiegsprogrammen wie Traineeships oder Volontariaten zu den entsprechenden Konditionen und nicht als Praktikanten beschäftigt werden sollten.

Lediglich der Vertreter des BdA konnte keinen Handlungsbedarf erkennen. Seiner Meinung nach ist die Anzahl der unfairen Praktika verschwindend gering, so dass keine Regelung nötig ist. Viele Absolventen seien zudem mit Studiumsabschluss noch nicht praxistauglich und für Unternehmen nicht einsatzfähig, so dass es dringend notwendig sei, die fehlenden Fertigkeiten in Praktika zu gewinnen. "Ich finde es sehr schade, dass hier offensichtlich die Situation immer noch komplett verkannt wird", sagt Bettina König dazu. "Seit sieben Jahren werden wir von unzähligen Absolventen kontaktiert, die in Scheinpraktika zu sittenwidrigen Löhne arbeiten müssen und beobachten intensiv die Praktikaausschreibungen von Unternehmen Was es da an Angeboten gibt, ist unglaublich, von Einzelfällen kann hier keine Rede sein! Ich hoffe, dass politisch endlich etwas für den fairen Berufseinstieg getan wird! Praktika müssen gesetzlich als Lernverhältnisse definiert werden, die nicht als Instrument zum Berufeinstieg missbraucht werden dürfen."

15.05.2011

Neues Buch zum Thema Praktikumsrecht

Die Rechte und Pflichten im Praktikum sind vielen Praktikanten und Praktikumsgebern immer noch unbekannt. Mit unserem Ratgeber "Vom Praktikum zum Job" haben wir dieses Thema im Hinblick auf die unterschiedlichen Praktikumsarten behandelt. Ein juristisches Nachschlagewerk gab es aber bislang noch nicht. Jetzt erschien ein neues Buch von Prof. Dr. Friedrich Schade, das alle Aspekte des geltenden Rechts im Praktikum detailliert erläutert. Schade liefert damit einen arbeitsrechtlichen Leitfaden für alle PraktikantInnen und Unternehmer, anhand dessen rechtliche Probleme in Praktika erkannt und verhindert werden können. Weitere Informationen hier

Cover Praktikumsrecht
Friedrich Schade
1. Auflage 2011, 19,90 Euro
Kohlhammer Verlag, ISBN 978-3-17-021952-6

03.05.2011

Neue DGB-Studie: Generation Praktikum 2011

Der DGB hat heute eine neue Studie zur Situation von AbsolventInnen beim Berufseinstieg vorgelegt. Das wenig überraschende Ergebnis: Weiterhin wird eine große Anzahl von AbsolventInnen trotz Berufsabschluss in sogenannten Praktika ausgebeutet. 28% der Absolventen machen nach Ihrem Studienabschluss ein Praktikum, vier von fünf leisten dabei vollwertige Arbeit. 27% der Berufsanfänger erhalten ein befristetes Arbeitsverhältnis. Nur jeder fünfte findet eine reguläre, unbefristete Anstellung. Dazu kommt, dass von den Absolventen-Praktika 40% komplett unbezahlt sind, bei den restlichen 60% liegt die Bezahlung im Schnitt bei 550€ brutto - für eine Vollzeitbeschäftigung! Das reicht natürlich kaum zum leben, so dass der Sozialstaat oder die Eltern einspringen müssen. (Quelle und komplette Studie hier)

 

04.11.2010

Mehrheit der Bundesministerien arbeitet mit unbezahlten Praktikanten

Das Ergebnis einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag ist erschütternd: In neun der 14 Ministerien erhielten Praktikanten im vergangenen Jahr demnach grundsätzlich keine Bezahlung. Allein das Innen- und Justizministerium entlohnt Praktikanten mit 50 bis 511 Euro. In drei weiteren Ministerien wurde nur ein Teil der Praktikanten entlohnt.

Die Regierungsantwort bestätigt auch den von fairwork e.V. seit über fünf Jahren gepredigten Vorwurf der Ausbeutung von Hochschulabsolventen: Sowohl das Entwicklungsministerium, als auch das Familienministerium beschäftigten 2009 bzw. 2008 Praktikanten, die ihr Studium bereits abgeschlossen hatten. Im Entwicklungsministerium waren es sogar ausschließlich 144 Hochschulabsolventen, die für mindestens drei Monate im Ministerium oder seinen nachgeordneten Behörden als unbezahlte Praktikanten arbeiteten. Das Familienministerium beschäftigte im Jahr 2008 80 Hochschulabsolventen, die bis zu sechsmonatige Praktika zum Nulltarif machten.
 
Die meisten Praktikanten, nämlich 871, nahm im vergangenen Jahr das Auswärtige Amt auf - ohne Vergütung. Es folgt das Verkehrsministerium mit 539 Praktikanten. Die wenigsten Praktikanten beschäftigte das Bildungsministerium mit 59. Die Ministerien erstatten zumindest Reisekosten und geben Essensgutscheine aus, wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht.

fairwork e.V. findet dieses Vorgehen der Regierung als absolut unangemessen und skandalös. Seit über fünf Jahren wird über faire Praktikumsbedingungen diskutiert, es gab eine erfolgreiche Online-Petition und sogar einen Gesetzesentwurf, um Scheinpraktika zu verhindern. Nichts hat sich bislang geändert. Anstatt eine Vorbildfunktion einzunehmen, reiht sich die Regierung ein in die lange Liste unfairer Unternehmen und betont parallel dazu, es gebe keinen Handlungsbedarf bezüglich der Regulierung von Praktika.

Quelle: AFP

 

06.10.2010

Die Goldenen Raffzähne 2010

Im  Anschluss an eine Lesung des Autors Markus Henrik aus seinem Praktikanten-Roman "Copy-Man" konnte das Publikum gestern abend abstimmen, welche Unternehmen in diesem Jahr "Abzocker des Jahres" werden sollten: Erster und damit Gewinner der Goldenen Raffzähne wurde "Schönlife Immobilien" aus Berlin, dicht gefolgt von "4iMedia" aus Leipzig.
"Beide Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie zum einen einen Praktikanten suchen, der bereits über einen abgeschlossenen Berufs- bzw. Hochschulabschluss verfügt und zum anderen ein extrem langes Praktikum von 3-12 Monaten fordern", so Bettina König, Vorsitzende von fairwork e.V. "Praktika gehören jedoch in die Ausbildungsphase und sind Lernverhältnisse. Bei einer Dauer von über 3 Monaten und der Voraussetzung "Berufsabschluss" ist hingegen eher davon auszugehen, dass der sog. Praktikant als volle Arbeitskraft eingeplant wird."
Und dies zu extrem unfairen Bedingungen: Bei 4iMedia kommt die sehr schlechte Vergütung hinzu. Auf Nachfrage beim Unternehmen hat fairwork e.V. erfahren, dass die ersten drei Monate des Praktikums gar nicht vergütet und die Folgemonate mit 250€ im Monat belohnt werden. Wie man 12 Monate davon leben soll, bleibt mehr als fraglich. Fertig ausgebildete Menschen als Praktikanten zu solch prekären Bedingungen zu beschäftigen ist inakzeptabel und zeigt erneut, dass hier Handlungsbedarf auch auf politischer Ebene besteht.
"Wir würden uns wünschen, dass von Seiten der Politik endlich erkannt wird, wie schwierig ein fairer Berufseinstieg für Absolventen weiterhin ist und eine entsprechende gesetzliche Unterstützung erfolgt, die solcher Ausbeutung einen Riegel vorschiebt", sagt König.

 

Erste Hilfe: Der Praktikumsratgeber "Vom Praktikum zum Job"

Mit unserem umfassenden Ratgeber "Vom Praktikum zum Job" informieren wir ausführlich über Mittel und Wege, ein gutes Praktikum zu finden. Das Buch zeigt, wie man sich richtig bewirbt und gibt Tipps, welche Rechte und Pflichten ein Praktikant hat. Außerdem erklären wir, wie man im Falle eines unfairen Praktikums vorgehen kann. Wir zeigen die Chancen auf, die ein Praktikum bietet, aber auch mögliche Risiken. Uns war wichtig, auch die Fallstricke aufzuzeigen, ein Bereich, den andere Ratgeber oft vernachlässigen. Nur ein faires Praktikum bringt einen wirklich weiter.

Vom Praktikum zum Job

Frank Schneider, Bettina König, Susanne Rinecker
1. Auflage 2006, 16,80 Euro.


Rudolf Haufe Verlag, Niederlassung Planegg bei München.


ISBN 3-448-07554-X
ISBN 978-3-448-07554-0

 

Fairness zeichnet Sie aus: Holen Sie sich das fairwork-Prädikat, weil Sie faire Praktika bieten.

Prädikat Praktikum

fairwork e.V. vergibt ein Prädikat für faire Unternehmen. Es ist das erste unabhängige Qualitätssiegel dieser Art in Deutschland. Jeder Arbeitgeber der faire Arbeitsbedingungen garantiert, kann das Prädikat erwerben. Damit können Studenten und Berufseinsteiger in Zukunft faire Praktika leichter erkennen.
Das Prädikat unterscheidet zwischen fairen Praktika für Studierende (Prädikat grün) und fairen Berufseinstiegsprogrammen, sog. BEP (Prädikat orange) für Absolventen mit abgeschlossener Ausbildung oder Studium.

Anträge und Infos hier

Neue Prädikatsträger 2009:

Prädikat grün Campact e.V., Verden
Prädikat grün Deutsche Welthungerhilfe e.V.
Prädikat grün Die Bewegungsstiftung, Verden
Prädikat grün Prädikat orange Schröder + Schömbs PR, Berlin

Prädikatsträger 2008:

Prädikat grün co2online gGmbH, Berlin
Prädikat grün Journalistenbüro Stroisch, Köln: Prädikat grün
Prädikat gelb tarent Gesellschaft für Softwareentwicklung und IT-Beratung mbH

fairwork e.V. sucht Stellenanzeigen

Für unsere Rubrik "Abzocker-Praktikum des Monats" sammeln wir Stellenanzeigen, in denen sich die Ausbeutung von Absolventen besonders deutlich zeigt: "Jahrespraktika für Diplom-Kaufleute, Vergütung: keine, Voraussetzung Berufserfahrung, ..." Wenn Ihr solche Anzeigen in Online-Jobbörsen findet, würden wir uns freuen, wenn Ihr uns den Link zuschickt!

Alles was Recht ist 

Unser Rechtsanwalt Christian Regnery hat bereits einigen Praktikanten, die tatsächlich eine volle Arbeitskraft ersetzt haben, zu ihrem Recht verholfen. Auf seiner neuen Seite www.recht-im-praktikum.de könnt Ihr Details nachlesen. Dort erläutert er einige aktuelle Fälle aus der anwaltlichen Praxis zum Thema und zeigt Möglichkeiten des Rechtsschutzes auf.

Rechtsberatung

fairwork-Mitglieder haben die Möglichkeit, bei gravierenden Problemen im Praktikum eine kostenlose Erst-Rechtsberatung zu erhalten. Der Berliner Rechtsanwalt Christian Regnery (www.regnery.de ) und RA Florian Haenisch aus Grafing (www.haenisch-niessen.de ) unterstützen damit unseren Verein. Wer dieses Angebot nutzen möchte, meldet sich bitte vorher bei uns. Wir vermitteln dann den Kontakt.

fairwork e.V. Spendenkonto

Berliner Bank
BLZ  100 200 00
Kto-Nr. 1346501 00

Wir sind ein gemeinnütziger Verein, so dass Spenden steuerlich absetzbar sind. Ab einer Spende von 25 € stellen wir auf Anfrage gerne eine Spendenquittung aus, für kleinere Beträge genügt der Kontoauszug.